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Kleinbild
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Inhaltsverzeichnis |
Begriffserläuterung
Als Kleinbild bzw. als Kleinbildformat wird ein von der Firma Leitz mit der Leica I eingeführtes Film-Format mit dem Maßen 24 x 36 mm bezeichnet.
Der hierbei grundlegende 35mm-Film (perforierter Kino-Film mit einer nutzbaren Breite von 24 mm - andere Bezeichnungen: "135er-Film" und "ISO 135") wurde 1891 von William K. L. Dickson ursprünglich für Bewegtbildern (Kinofilme) entwickelt.
Andere Kamera-Hersteller hatten zwar schon vor 1913 mit dem 135er-Film "experimentiert", aber erst die Leica I brachte hier einen (wirtschaftlichen) Durchbruch.
Die erste kommerziell 35mm-Kamera war die Tourist Multiple von Herbert & Huesgen, New York, die 750 Aufnahmen in Format 18 x 24 mm machen konnte; es wurden ca. 1.000 Kameras produziert, die Kamera erwies sich aber als nicht praktikabel.
In Deutschland war es die Minigraph von Levy Roth, Berlin, die ca. 500 Aufnahmen (auch) im Format 18 x 24 mm machen konnte. Hierzu gibt es ein Zitat von Oskar Barnack aus dem Jahr 1931:
- "Dass seinerzeit, vor etwas 16-18 Jahren, Kleinapparate, wie z. B. die "Minigraph", sich als nicht lebensfähig erwiesen, lag zweifellos an dem zu kleinen Negativ (18 x 24 mm) und den viel zu großen Außenmaßen. Eine Kleinkamera muss eben auch klein sein, und 500 Bilder, wie beim "Minigraph" in einer Tour abzuknipsen, war nicht jedermanns Sache."
(Kleiner) Geschichtlicher Exkurs
Fast alle Quellen deuten darauf hin, dass Oskar Barnack zur Bestimmung der Belichtung seiner Filmaufnahmen (Bewegtbildern) mit dem 135er Film eine Einzelbild-Kamera baute, die er mit einem kurzen Filmstück "fütterte". Nach einer Belichtung und Entwicklung vor Ort war dann die Belichtungseinstellung zuverlässiger als die damals übliche Schätzung (Belichtungsmesser in der heutigen Form gab es ca. 1913 noch nicht).
Weiterhin war Oskar Barnack es leid, für fotografische Aufnahmen seine schwere Holzkamera nebst Zubehör (Filmplatten, Stativ etc.) zu transportieren, er strebte eine kleine (handlichere und leichtere) Kamera an. Erste Versuche, mehrere kleinere Bilder auf den damals verfügbaren (Glas-)Filmplatten zu erstellen, scheiterten am groben Korn der Platten. Dabei erinnerte er sich an seine Belichtungsmesser-Kamera und führte erste Versuche damit durch.
Da ihm aber das Kino-Film-Format (18 x 24 mm) zu klein war, verdoppelte er einfach das Format auf das heute übliche Format 24 x 36 mm. Oskar Barnack berechnete damals die Bildpunkte (heute würde man in der Digitaltechnik dazu Pixel sagen), die erzielten 1 Mio. Bildpunkte reichten - seiner Meinung nach - voll (für die allgemeine Fotografie) aus. Somit war das Kleinbildformat geboren.
Trotz der damalig sehr schlechten Wirtschaftssituation fasste Ernst Leitz den Entschluss, die Barnack-Kamera (auch "Ur-Leica" genannt) zur Marktreife weiterzuentwickeln - folgender Spruch ist überliefert:
- "Die Barnack-Kamera wird gebaut!"
Bis zur Markteinführung wurde die Kamera ausgiebig von Barnack und dem damaligen Firmenchef Ernst Leitz erprobt, überliefert sind insbesondere die Fotos vom Hochwasser in Wetzlar und die kleine Reportage zur Mobilmachung (erster Weltkrieg).
Die Kritiker überhäufen Leitz damals mit Spott, bezeichneten die Leica I als Spielzeug, kein ernsthafter Fotograf würde mit so einer Kamera arbeiten - und dann dieses Handtuchformat, welches mit seinem Seitenverhältnis von 3:2 von allen üblichen Formaten (Seitenverhältnis 4:3) abwich.
Zunächst wurden auch nur wenige Kameras verkauft, aber die Werbe-Politik von Leitz - Kameras an besondere Persönlichkeiten, Expeditionen etc. - zu verteilen, brachte die Leica in den Fokus der Fotografen. Weiterhin verstand es Leitz, für jeglichen Verwendungszweck das richtige Zubehör oder einen Umbau anzubieten. Weiterhin war immer ein "Upgrade" auf eine neuerer Version durch den Service von Leitz möglich, d. h. eine Leica I konnte problemlos - durch Einbau des Entfernungsmessers - auf eine Leica II umgebaut werden. Für den Fotografen war dies wunderbar, nur die Erben wunderten sich über der daraus folgenden Wertverfall der Kamera - dies ist aber ein anderes Thema.
Da die Leica mit vielen Patenten geschützt war, konnten andere Hersteller erst sehr spät Konkurrenzprodukte auf den Markt bringen, das bekannteste ist die Contax von Zeiss Ikon, Dresden (1932).
Der Durchbruch in der professionellen Fotografie wird dem Fotografen Paul Wolff ca. 1932 zugeschrieben, er stellte fast kornlose Vergrößerungen mit der Leica im Format 40 x60 cm her, die davor nur mit Fachkameras möglich waren.
Es waren aber auch bekannte Autoren und Vortagsredner, die dazu beigetragen haben, dass das Kleinbildformat in aller Munde war, zu nennen sind hier stellvertretend Theo Kisselbach (mit seinen hervorragenden Büchern zur Leica) und Walther Benser (mit seinen unglaublichen Vorträgen).
Dies war der Startschuss für viele andere Firmen, fast jeder Hersteller brachte danach eine Kleinbild-Kamera heraus, schnell wurden fertig konfektionierte Filme (dies war bis dahin nicht üblich, es gab nur Meterware) allgemein verfügbar. Wie bei vielen sehr guten Erfindungen wird der Markenname in Verbindung mit dem Hersteller gebracht - deshalb wurde das Kleinbildformat auch sehr lange Leicaformat genannt.
Konkurrenz-Formate
Hier werden einige bekannte Konkurrenz-Formate vorgestellt, die auf dem 135er-Film basieren:
Halbformat (18 x 24 mm)
In den 60er Jahren waren es einige bahnbrechende Kameras - wie z. B. die Olympus PEN F - die das Kino-Film-Format (18 x 24 mm) wieder aufleben ließen. Heute würde man dies als "Hype" bezeichnen, fast alle Hersteller hatten auf einmal Halbformat-Kameras im Programm.
Meist waren es einfache Kameras, aber vereinzelt wurden auch System-Kameras angeboten, die fast allen Ansprüchen gewachsen waren - hier ist wieder beispielhaft das Olympus Pen F-System zu nennen. Es gab sogar einige Modelle auf Basis der Leica, die aber nur geringe Verbreitung fanden. Ein recht vollständiger Katalog von Halbformatkameras ist in de.wikipedia.org zu finden.
Leider war dieser "Hype" nur von kurzer Dauer, da die Weiterverarbeitung der Halbformat-Filme von der damaligen (die Bezeichnung würde man heute wählen) Printindustrie nicht genug unterstützt wurde.
Siehe hierzu den Artikel Halbformat
Quadratisches Format (24 x 24 mm)
Hier war es die 1930 gegründete Firma Otto Berning & Co. aus Düsseldorf, die eine Kamera mit dem quadratischen Format 24 x 24 mm herausbrachte. Vom Format an sich nichts besonderes, nur waren fast alle Robot-Kameras mit einem eingebauten Motorantrieb (Federwerk, später elektrischer Antrieb) ausgestattet, der sehr hohe Serien-Geschwindigkeiten zuließ.
Dadurch wurden die Robot-Kameras sehr gerne als Überwachungs- und Luftbildkameras eingesetzt, im zweiten Weltkrieg hatte sie den Sptiznamen Das Auge Görings.
Auch dieses Format konnte sich nur in der speziellen Nische durchsetzen, eine weitere Verbreitung fand nicht statt.
"Japanisches Kleinbild" (24 x 32 mm)
Nikon, Olympus und andere japanische Hersteller versuchten das Format 24 x 32 mm einzuführen, dieser Versuch scheiterte aber - folgende Kameras werden hier exemplarisch genannt:
Die genannten Hersteller wechselten aus Marktgründen schnell zum "24 x 36 mm - Format", eine weitere Verbreitung fand nicht statt.
Panorama-Formate
Einige Panorama-Kameras - wie z. B. die Hasselblad XPan - benutzten eine wesentlich breiteres Bild, hier ein paar Beispiele:
- Hasselblad XPan (auch als Fuji TX-1 vom "eigentlichen Hersteller" vermarktet) - 24 x 65 mm
- Horizont (aus dem sowjetischen KMZ-Werk) - 24 x 58 mm
- Noblex 135 - 24 x 66 mm
- Widelux - 24 x 59 mm
Bis zur Einführung der digitalen Fotografie arbeiteten die Großzahl aller Fotografen mit dem Kleinbildformat, alle anderen Formate waren - ohne Übertreibung - Nischenformate oder für speziellen Anwendungen bestimmt.
Filmtypen
Die Filme waren (und sind teilweise heute noch) als folgende Typen lieferbar, da im Gegensatz zur heutigen Digitalfotografie die Parameter (Empfindlichkeit, Auflösung, Farbtemperatur etc.) nicht für jedes Bild getrennt festgelegt werden konnten:
Schwarz-Weiß-Film
Durch die fehlende Farbsensibilisierung entsteht bei einem Schwarz-Weiß-Film ein Bild aus schwarz-grau-weiße Halbtonbilder. (Umsetzung der Farben in Grautöne).
- Negativfilm - hier werden die Grauwerte in den umgekehrten (komplementären) Tonwerten aufgezeichnet und entwickelt werden. Erst die Tonwertumkehr ermöglicht die in einem zweiten fotografischen Prozess beliebig oft kopierbare Fotografie, bei der erneut eine Tonwertumkehr stattfindet
- (Dia-)Positiv-Film (Farbumkehrfilm) - hier führt eine spezielle Umkehrentwicklung direkt zu einem helligkeitsgetreuen Bild
Hier sind insbesondere folgende Filme (exemplarisch) herauszustellen:
- Kodak Tri-X - ein hoch empfindlicher Schwarz-Weiß-Negativfilm mit wunderbaren Halbtonbildern
- Agfapan 25 - ein niedrig empfindlicher Schwarz-Weiß-Negativfilm fast ohne Korn - leider nur noch Restbestände verfügbar
- Ilford FP4 - Universalfilm (Schwarz-Weiß-Negativfilm), ausgewogene Eigenschaften in jedem Bereich
Farbfilm
- Negativfilm - vergleichbar wie beim Schwarz-Weiß-Negativfilm nur hier findet die Umsetzung der Farben statt
- (Dia-)Positiv-Film (Farbumkehrfilm) - vergleichbar mit dem Schwarz-Weiß-(Dia-)Positiv-Film (Farbumkehrfilm), wie oben nur statt Grau- in Farbwerte
Hier sind insbesondere folgende Filme (exemplarisch) herauszustellen:
- Kodachrome (alle Empfindlichkeiten) - feines Korn, natürliche Farben, Langzeitstabilität, umweltschädlicher Entwicklungsprozess (der nur zentral im Kodak-Labor durchgeführt werden konnte), leider nicht mehr verfügbar
- Ektachrome (alle Empfindlichkeiten), der Entwicklungsprozess kann in einem Fachlabor oder auch im Heimlabor durchgeführt werden
Spezielle Sensibilisierungen
Weiterhin gab es für fast jeden Typ speziell sensibilisierte Filme:
- Tageslichtfilm - konnte ohne Korrekturfilter für alle Tageslichtbedingungen (ca. 5000 Kelvin) eingesetzt werden
- Kunstlichtfilm - nur für Kunstlicht (ca. 3400 Kelvin) geeignet
- Infrarotfilm - für den nahen infraroten Bereich sensibilisiert, also den Bereich zwischen 700 und 900 nm
- UV-Film (in Einzelfällen) - für den nahen ultravioletten Bereich sensibilisiert
- Dokumentenfilm - geringe Empfindlichkeit, hervorragende Auflösung aber sehr steil arbeitend, für die normale Fotografie nur mit Spezial-Entwicklern brauchbar
Empfindlichkeitsklassen
Die Filme (fast aller oben genannten Typen lagen in folgenden Empfindlichkeitsklassen vor:
- Niedrig empfindliche Filme (bis unter 100 ISO)
- Filme mittlerer Empfindlichkeit (100 - 200 ISO)
- Hoch empfindliche Filme (über 200 ISO)
In Einzelfällen konnte die Empfindlichkeit durch spezielle Entwickler (Schwarz-Weiß-Negativfilm) oder durch "Pushen" (Farbfilm) gesteigert werden.
Konfektionierungen
Meterware
Anfangs gab es - wie schon oben angedeutet - den 135er Film nur als Meterware in Dosen (z. B. mit 17 oder 30,5 Metern), die notwendige Konfektion - auf ca. 1,6 Meter - erfolgte durch den Anwender in der Dunkelkammer. Das Filmstück musste dann in eine dafür vorgesehene Wechselpatrone eingespult werden. Für den Filmanschnitt wurden von den Herstellern spezielle Schablonen geliefert.
Zuletzt wurde die Meterware in der analogen Fotografie nur noch für Langfilmmagazine genutzt.
Fertig konfektionierte Filme
Nachdem sich das Kleinbildformat sich auf breiter Front durchgesetzt hatte, wurden von allen Filmherstellern fertig konfektionierte Patronen geliefert (handelsüblich 12, 24 oder 36 Bilder pro Film).
Nachteile des Kleinbildformates
In der Analog-Fotografie waren alle Vergrößerungspapiere nur im Seitenverhältnis 4:3 verfügbar - das Kleinbildformat hat aber hier ein 2:3-Seitenverhältnis. Dies führte zu Beschneidungen beim Print, erst in der späteren Zeit (zum Ende der analogen Ära) lagen Papiere im richtigen Seitenverhältnis vor.
Wie schon oben dargestellt, wird das Kleinbildformat gerne als Handtuchformat bezeichnet, das Seitenverhältnis soll nicht dem menschlichen Sehverhalten entsprechen. Hierzu gab es unzählige Diskussionen, heutzutage hat man sich wahrscheinlich einfach an das Seitenverhältnis gewöhnt.
Bedeutung des Kleinbildformates in der heutigen Zeit
In der Digitalfotografie wird das Kleinbildformat (von den überwiegenden Quellen) als Referenzgröße (Faktor "1") für die Berechnung der Cropfaktors genutzt.
Die Hersteller Canon, Leica , Nikon und Sony (früher Konica-Minolta) nutzen in einigen ihrer Kameras Sensoren, die der Größe des Kleinbildformats entsprechen. Hiermit können die Objektive aus dem analogen Programm der jeweiligen Hersteller mit dem vollen Bildkreis genutzt werden. Diese Sensoren werden zurzeit nur in den "Top-Modellen" der Hersteller eingesetzt, entsprechend hochpreisig sind deshalb auch diese Modelle einzuordnen.
Da man aber schon mit DSLR-Kameras, deren Sensoren ca. 12 Mio Pixel haben, hervorragende Prints in der Größe von 80 x 120 cm erstellen kann, scheint die Notwendigkeit nach einen Sensor im Kleinbildformat nebensächlich.
Die überwiegende Anzahl der verkauften Digitalkameras (incl. DSLR) wird aber heute mit anderen Sensor-Formaten versehen:
- Digitalkameras mit eingebauten Objektiven (verschiedene Sensor-Formate) - fast immer Seitenverhältnis 4:3
- FT-Kameras - Olympus und Panasonic, Seitenverhältnis 4:3
- APS-C-DSLR von Canon, Nikon und mehr - Seitenverhältnis 3:2
Galerie mit Bildern zum Kleinbildformat
Literatur
- Walther Benser - Mein Leben mit der Leica, Stuttgart 1990, ISBN 3-928126-15-6
- Paul-Henry van Hasbroeck - Das große Leica-Buch - Entstehung und Entwicklung des gesamten Leica-Systems, München 1987, ISBN 3-7667-0864-3
- Theo Kisselbach - Das Leica-Buch, Seebruck am Chiemsee 1969 (auch als Reprint der Buchhandlung H. Lindemanns, Stuttgart erhältlich)
- Dennis Laney - Leica - Das Produkt- und Sammler-Buch, Augsburg 1993, ISBN 3-8043-5018-6
- Claus Militz / Urs Tillmanns - Leica-Fotoschule, Schaffhausen, ISBN 3-7231-6300-9
- Günter Osterloh - Leica M - Hohe Schule der Fotografie, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-525-68017-8
- Gianni Rogliatti - Leica - die ersten sechzig Jahre, Hückelhoven 1986, ISBN 3-88984-027-2
Weblinks
- Kleinbild in en.wikipedia.org (englisch)
- Kleinbild in de.wikipedia.org
- Historical Cameras: New Ideas (Herbert & Huesgen): Tourist Multiple (englisch)
- List of Early 35mm Cameras, from 1914 to 1932 (englisch)
- Kleinbild in en.wikipedia.org (englisch)
- KB-Kameras vor der Leica von Peter Lausch
- LEICA HISTORICA e.V.
- Leica History von Thorsten Overgaard (englisch)
- The Parcells Leica Collection (englisch)
- Leica Historical Society of America (englisch)
- Leica Historical Society (UK) (englisch)
- Erwin Puts (Leica-Fachjournalist) (englisch)
- Frank Mechelhoff: NIKON S2 - die Camera die Zeiss-Ikon hätte bauen sollen...
- Review der Hasselblad XPan von mir.com.my (englisch)
- Review der Hasselblad XPan von luminous-landscape (englisch)
