Cropfaktor

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Größenvergleiche der bekannten Sensoren - Quelle

Begriffserklärung

Der Cropfaktor gibt das Längenverhältnis zwischen den Diagonalen zweier Aufnahmeformate (flächenmäßige Bildgröße) an. Als Basis (also die "1") wurde von der Fachpresse das Kleinbildformat (24 x 36 mm) festgelegt.

Dies bedeutet:

  • Bei einem Cropfaktor größer als "1" ist das Aufnahmeformat kleiner als das (als Basis) festgelegte Kleinbildformat.
  • Bei einem Cropfaktor kleiner als "1" ist das Aufnahmeformat größer als das (als Basis) festgelegte Kleinbildformat.

Eine Aussage über die Qualität der Aufnahme (in Abhängigkeit des Aufnahmemediums (Sensor bzw. Film)) kann vom Cropfaktor nicht abgeleitet werden, da die Größe des Sensors nur einer von vielen Faktoren zur Bestimmung der Bildgüte ist. Erst im Zusammenwirken aller Einflussgrößen - wie Objektiv (hierbei ist die Korrektur der Abbildungsfehler entscheidend), Güte der Mikrolinsen, interne Bildverarbeitungsalgorithmen, entsprechende Bildbearbeitung und vieles Andere mehr - wird die gewünschte hervorragende Bildgüte erreicht.

Da Aufnahmeformat, Bildwinkel und Brennweite über den Strahlensatz zusammenhängen, kann der Cropfaktor (besser: Formatfaktor) dazu genutzt werden, zu berechnen, welche Brennweite ein Objektiv haben müsste, um auf einem anderen Aufnahmeformat den gleichen Bildwinkel, also bei gleicher Entfernung zum Motiv den gleichen Bildausschnitt zu zeigen.

Der Cropfaktor ist auch ein Brennweitenverlängerungsfaktor. Um denselben Bildwinkel und die gleiche Perspektivische Tiefe zu erhalten benötigt man bei Kleinbild bezogen auf FourThirds die doppelte Brennweite. Ein 400 mm Teleobjektiv bei Kleinbild entspricht im Bildwinkel einem 200 mm bei FourThirds.

Der Cropfaktor hat über die Brennweite auch einen Einfluss auch die Schärfentiefe, die beim Four Thirds System größer ist, als bei Kleinbild.

Zitate

Ein Zitat von Dr. Hubert Nasse (Carl Zeiss - Geschäftsbereich Photo-Objektive) aus seiner Veröffentlichung "Schärfentiefe und Bokeh", Camera Lens News 35 (März 2010):

"Wenn wir ein Objektiv von einer alten analogen Kamera abnehmen und stattdessen an eine Digitalkamera des gleichen Systems ansetzen, die aber den etwas kleineren APS-C-Sensor enthält, dann sprechen wir ja von einem "Crop-Faktor", wir hätten auch einfach sagen können, dass der kleine Sensor automatisch eine Ausschnittsvergrößerung macht, wenn wir am gleichen Standpunkt stehen bleiben. Den Ausdruck "Brennweitenverlängerung" wollen wir lieber nicht benutzen, denn die gibt es nicht - das Objektiv weiß ja nicht, wie viel von seinem Bildkreis wir mit unserem Sensor einfangen."

Cropfaktoren gängiger Sensorgrößen relativ zum Kleinbildformat

Faktor (1) Sensorgröße Typische Auflösung Diagonale Fläche bezogen auf Kleinbild
8,7 1/3,2" ca. 2 - 3 Megapixel 5 mm (2) 1,3%
8 1/3" (Manche Videokameras) 1,5%
7,2 1/2,7" ca. 3 - 5 Megapixel 6 mm (2) 1,9%
6,8 1/2,5" ca. 3 - 12 Megapixel 6,4 mm (2) 2,2%
4,9 1/1,8" ca. 4 - 15 Megapixel 8,9 mm (2) 4%
4 2/3" ca. 8 Megapixel 11 mm (2) 6,5%
2 4/3" entsp. FourThirds ab 5 Megapixel 21,3 mm (2) 25%
1,6 entsprechend APS-C (Canon) ab 6 Megapixel 27,1 mm 39%
1,5 entsprechend DX (Nikon etc.) ab 6 Megapixel 28,3 mm 44%
1,3 entsprechend APS-H (z. B. Canon EOS 1D MKIV) ab 8 Megapixel 34,7 mm 59%
1 Kleinbild-Vollformat, FX ab 6 Megapixel 43,3 mm 100%
0,55 Mittelformat (56 x 56 mm) - 79,2 mm 205%
0,49 Mittelformat (Pentax 6x7, 55 x 70 mm) - 89,0 mm 205%


(1) Der Corpfaktor entspricht hier dem Verhältnis der Diagonalen des Kleinbildformates zur Diagonalen der lichtempfindlichen Fläche des Sensors. Manche Autoren beziehen diesen stattdessen auf die größere Seite des Aufnahmeformats, um den unterschiedlichen Seitenverhältnissen (2:3 bei Kleinbild und DSLR, 3:4 bei den meisten Sensoren für kompakte Digitalkameras, 16:9 bei einigen neueren Modellen) gerechter zu werden.
(2) Die Größenangaben in Zoll-Bruchteilen beziehen sich traditionell auf die nutzbare Fläche von Video-Aufnahmeröhren. Eine Ein-Zoll-Vidicon-Bildröhre hat zwar 25,4 mm Außendurchmesser, jedoch nur eine nutzbare Bilddiagonale von etwa 16 mm.

Cropfaktor als "Systemstreit"

Der Cropfaktor ist ein Punkt im Disput von Anhängern unterschiedlicher Hersteller. Hier eine Sammlung von Argumenten und Scheinargumenten im Zusammenhang mit dem Cropfaktor und der Versuch, Missverständnisse und verdrehte Tatsachen klarzustellen.

Ein großer Cropfaktor bedeutet (automatisch) eine schlechtere Bildqualität

Gründe für das Argument

Auf den ersten Blick scheint das korrekt zu sein:

  • kleine Fläche des Sensors (bzw. Films) - schlechte Bildqualität
  • große Fläche des Sensors (bzw. Films) - gute Bildqualität

Als Indiz dafür werden sehr gerne Erfahrungen aus der "analogen Zeit" hinzugezogen - man denke an die Erfahrungen mit den ominösen "Pocket-Kameras" im Vergleich zum Kleinbildformat. Hierbei war die Bildqualität augenscheinlich viel schlechter als die des 24 x 36 mm-Formats.

Analog: Vergleich des "Pocket-" und des Kleinbild-Formats

Hierzu ist aber eine genauere Betrachtung einzelner Faktoren - die zur entsprechenden Bildqualität führen - notwendig:

Alle genannten Faktoren ließen Prints bis zu einer Größe von 10 x 15cm ("Postkartenformat") zu, dies war für die damalige Käuferschicht vollkommen ausreichend.

Durch das Zusammenwirken dieser Faktoren konnten ohne Probleme Prints in einer Größe von 50 x 75 cm produziert werden. Hier stimmt also die obrige Aussage: Kleine Fläche - schlechte Qualität / große Fläche - gute Qualität.

Digital: Vergleich des FT- und des APS-C-Formats

Nun wenden wir diesen Vergleich auf die derzeitige digitale Technik an:

Vergleicht man - anhand von "Groß-Prints" (ab 80 x 120 cm) die resultierende Bildqualität, so wird man nur sehr kleine Unterschiede feststellen, diese resultieren eher aus den herstellerspezifischen Vorlieben bei der Gewichtung der Parameter in den internen Bildverarbeitungsalgorithmen - Geschmackssache also.
Hier stimmt also die obrige Aussage nicht: Kleine Fläche - schlechte Qualität / große Fläche - gute Qualität. Die Qualität ist - bis auf die o. g. kleinen (herstellerspezifischen) Unterschiede - vergleichbar.

Fehlerhaftes Zusammenspiel der Faktoren zur Erzielung der Bildqualität

Stimmt das Zusammenwirken aller Faktoren nicht, so resultiert eine schlechte Bildqualität - hierzu zwei Beispiele:

Bei sehr kleinen Sensoren (z. B. in "Handy-Kameras") resultiert die schlechte Bildqualität - trotz "sehr viel Megapixel" - meist aus ungeeigneten "Objektiven", die solch kleine Strukturen einfach nicht auflösen können.

Schlussfolgerung

Der Cropfaktor ist eigentlich nur dafür geeignet, die Bildwinkel der Objektive bei verschiedenen Sensorgrößen zu vergleichen - nicht mehr und nicht weniger. Eine Aussage über die Bildqualität ist so nicht möglich.

FT hat einen wesentlich kleineren Cropfaktor gegenüber APS-C

Der Unterschied zwischen einem FT-Sensor und einem APS-C-Sensor (Cropfaktor 1,5 bis 1,7) ist nicht so dramatisch, wie oft dargestellt, Einzelheiten s. in der o. a. Tabelle.

Weblinks

Interne Verweise

siehe auch Bildwinkel