Systemkamera

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Systemkamera nennt man eine Kamera dann, wenn sie durch leicht ab- und anmontierbare Hauptelemente flexibel für verschiedene fotografische Zwecke anpassbar ist.

Der dem Laien bekannteste Fall sind Kameras mit auswechselbaren Komplett-Objektiven. In der 1950er- und 60er-Jahren gab es jedoch auch Systemkameras mit auswechselbarem vorderen Objektivteil - weltweit bekannt dafür war die Contaflex des Stuttgarter Herstellers Zeiss Ikon und die Paxette des Nürnberger Herstellers Braun. Zur Contaflex gab es auch ein auswechselbares Film-Rückteil, um zwischen Dia- und Negativfilm auch vor Filmende schon wechseln zu können. 1985 begann mit der Minolta 7000 das Zeitalter des Massenmarktes für Autofokus-Spiegelreflexkameras mit auswechselbaren Objektiven.

Andere Systemkonzepte sind eher im Profi-Bereich anzutreffen. Das Digitalrückteil, oft austauschbar gegen ein Filmrückteil, ist bisweilen bei Fachkameras oder Mittelformat-Kameras das Aufnahmemedium, im Kleinbildformat wurde es nur einmal von Firma Leica ausprobiert. Fachkameras haben eine schnell austauschbare Frontplatte zwecks schnellem Wechsel von Verschluss/Objektiv-Kombination.

Auch so manches Zubehör ist oft systemspezifisch konzipiert, etwa die Blitzgeräte für die Dynax AF-Spiegelreflexkameragehäuse von Minolta, die nur auf den speziellen inversen Blitzschuh dieser Kameras und kompatibler Sony-Kameras aufsteckbar sind.

Digitale Systemkameras

Zunächst gab es nur von Kodak "digital gepimpte" Spiegelreflex-Kameragehäuse, die Kodak DCS-Serie, basierend auf Canons EOS-1N, Nikons Pronea APS-Spiegelreflexkameras und anderen Nikon-Gehäusen. Diese Kameragehäuse bekamen ein Bild-Sensor-Rückteil mit einem charakteristischen Unterbau, der das Kameragehäuse auf mehr als das Doppelte vergrößerte, und gehörten je nach Typ jeweils zu einem Autofokus-Spiegelreflex-System von Nikon oder Canon.

1998 stellte Minolta mit der Minolta Dimâge EX ein weiteres Konzept vor, ein handliches Bedienrückteil für eine digitale Kompaktkamera, und dazu zwei verschiedene Digitalkameramodule mit Objektiv, Sensor und Verschluss zusammengefasst. Dieses Modul-Prinzip wurde später von Ricoh für ein ähnliches optisch etwas leistungsfähigeres Kamerasystem übernommen.

Im Jahre 2000 brachte Canon endlich gewohnt handliche digitale Wechselobjektiv-Spiegelreflex-Kameragehäuse auf den Markt. Es handelte sich dabei um die digitale Fortsetzung des bewährten EOS Autofokus-Spiegelreflexkamera-Systemes.

2003 kam mit der E-1 von Olympus das erste professionelle Spiegelreflexkameragehäuse und damit gleichzeitig das erste Wechselobjektiv-System nur für Digitale Kameras, zu diesem Zeitpunkt nur gewagt im Bündnis mit anderen Herstellern, wobei außer von Olympus nur vom später eingestiegenen Partner Panasonic eigene Kameras und Objekive für dieses Sysstem entwickelt wurde. Bei Olympus heißt es E-System, im Bündnis Four Thirds System.

2004 kam Drucker-Hersteller Epson mit der R-D1, einer serienmäßig auf digitale Aufnahme umgebauten Voigtländer Bessa Messsucher-Kamera für Leica M Objektive (Cosina-Produkt). Leica M8 und Leica M9 folgten später. Diese Kameras machten das Leica-System zu einem auch digitalen.

CSC

Das Four-Thirds-Bündnis entwickelte für die gleiche Sensorgröße das Micro Four Thirds Kamerasystem, und Panasonic lieferte 2008 mit der LUMIX DMC-G1 die erste Kamera dazu. Für diese Kameras wurde zunächst auf den phasendetektions-sensorgestützten Autofokus zugunsten eines bilddatenbasierten Kontrastautofokus verzichtet, aber vor allem auf den Spiegelreflexsucher. Diese Generation Kameras wird oft "spiegellose digitale Systemkamera" genannt, international hat sich die Abkürzung CSC für compact system camera eingebürgert. Zu modernen Systemkameras kommen oft Adapter für AF-Objektive des Vorgängersystemes und aufsteckbare EVFs (elektronische Sucher) zum System hinzu.

Panasonic setzte von Anfang an auf EVF, d.h. elektronischen Sucher, bei dem man durch das Okular auf einen Miniatur-Farb-LCD-Monitor betrachtet. Olympus setzte zunächst auf Kompaktkamera-Design mit nur dem Rückseitenmonitor als Sucher-Ersatz. Ein EVF ist aber bereits seit dem zweiten Modell der digitalen PEN-Serie als Zubehör aufsteckbar. Durch das fast immer geringere Auflagemaß der CSCs bieten im Allgemeinen die Hersteller teils sogar AF-unterstützende Adapter an für die AF-Objektive des Vorgängersystemes.

Die Pentax K01 und Sonys SLTs gehören praktisch noch zum Altsystem dieser Hersteller und haben daher das gewohnte Auflagemaß. Die SLTs haben zwar EVF statt Spiegelreflexsucher, aber via halbdurchlässigem Spiegel leistungsfähige Phasendetektions-Sensoren im AF-System. Durch neue Techniken der Integration der Phasendetektionsmessung auf dem Bildsensor werden diese Kameras wohl 2014 nochmal runderneuert, aber über kurz oder lang der Spiegel ganz verschwinden. Die SLTs sind also Zwitterwesen aus Spiegelreflex und CSC.